Den Haushalt nach der Geburt neu aufteilen

Mit einem Baby müssen Eltern das Kind versorgen und zusätzliche Dinge organisieren. Elternzeit, Erwerbsarbeit, Schlaf und Erholung verändern sich ebenfalls. Besprecht deshalb früh, wie ihr die Hausarbeit aufteilt, und passt die Absprachen nach der Geburt an euren Alltag an.

Fair heißt nicht, dass beide gleich viele Aufgaben übernehmen. Wichtig ist, dass klar ist, wer welche Aufgaben erledigt und plant und wie viel Zeit jede Person für Beruf, Betreuung und Haushalt aufwendet.

Wie sich Betreuung und Hausarbeit verändern

Nach der Geburt wächst die unbezahlte Arbeit: Das Baby braucht regelmäßig Versorgung und Aufmerksamkeit, während Kochen, Einkaufen, Wäsche und Putzen weiter anfallen. Laut Statistischem Bundesamt leisten Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Haushalten mit Kindern im Schnitt gut 57,5 Stunden bezahlte und unbezahlte Arbeit pro Woche. Das sind rund 10,5 Stunden mehr als bei Erwachsenen derselben Altersgruppe ohne Kinder im Haushalt. Die Zahlen vergleichen Haushalte mit und ohne Kinder. Sie zeigen nicht, wie sich die Arbeit in einer einzelnen Familie nach der Geburt verändert.

Auch Elternzeit und Erwerbsarbeit beeinflussen, wer Aufgaben übernimmt. Ist eine Person tagsüber länger zu Hause, landet häufig zusätzlich mehr Hausarbeit bei ihr. Was zunächst praktisch wirkt, kann sich als feste Zuständigkeit einspielen. Das gilt besonders, wenn Paare vor allem Elternzeit und Elterngeld planen, aber nicht besprechen, wer kocht, Termine organisiert oder nachts zuständig ist.

Die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts zeigt zudem durchschnittliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Paarhaushalten mit Kindern: Frauen leisteten 2022 pro Woche mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Diese Durchschnittswerte sagen nicht voraus, wie ein bestimmtes Paar lebt. Sie machen aber sichtbar, dass sich Sorgearbeit im Durchschnitt ungleich verteilt. Eine kleine qualitative Studie aus Deutschland mit 14 Paaren fand ebenfalls eine Lücke zwischen dem Wunsch nach Gleichberechtigung und den Routinen, die sich im Alltag entwickeln. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf alle Eltern übertragen.

Welche Aufgaben mit dem Baby dazukommen

Neben Wickeln, Füttern, Beruhigen, Spielen und dem Zu-Bett-Bringen braucht ein Baby laufende Organisation. Dazu gehören Arzttermine, Besorgungen, Absprachen zur Betreuung und der Blick darauf, was bald gebraucht wird. Diese Arbeit fällt leicht nicht auf, weil Eltern oft schon planen müssen, bevor sie die Aufgabe erledigen.

Auch die Hausarbeit verändert sich. Mahlzeiten müssen vorbereitet, Wäsche muss gewaschen und die Wohnung muss im Blick behalten werden. Manche Aufgaben werden häufiger, andere können zunächst warten. Eltern sollten deshalb gemeinsam festlegen, welcher Haushaltsstandard in der ersten Zeit realistisch ist. Vielleicht bleibt die Küche abends nicht immer aufgeräumt, während saubere Flaschen oder bestimmte Mahlzeiten täglich wichtig sind.

Zur Zuständigkeit gehört mehr als das Erledigen einer Aufgabe. Wer einen Arzttermin übernimmt, kann auch dafür verantwortlich sein, ihn zu vereinbaren, Unterlagen bereitzulegen und die nächste Kontrolle im Blick zu behalten. Wenn eine Person zwar die sichtbare Aufgabe erledigt, die andere aber weiterhin plant und erinnert, bleibt ein Teil der Arbeit bei ihr.

Aufgaben vor der Geburt verteilen

Sprechen Sie nicht nur über Elternzeit und Einkommen. Gehen Sie gemeinsam einen normalen Tag durch: Wer übernimmt das Baby, wenn die andere Person duscht oder schläft? Wer kümmert sich um Essen und Einkäufe? Welche Aufgaben müssen täglich erledigt werden, und was darf liegen bleiben? Die staatliche Website kindergesundheit-info.de empfiehlt, über Rollen und Erwartungen zu sprechen, auch darüber, wie ordentlich der Haushalt sein soll.

Halten Sie danach fest, wer welche Aufgaben übernimmt und dafür sorgt, dass nichts vergessen wird. Eine Person könnte zum Beispiel für Einkäufe und Mahlzeiten verantwortlich sein, die andere für Wäsche und bestimmte Betreuungstermine. Das ist keine starre Regel für jedes Paar. Wichtig ist, dass die Verteilung zu Arbeitszeiten, Gesundheit, Erholung und den Bedürfnissen des Babys passt.

Berücksichtigen Sie, dass sich manche Aufgaben nicht gleich verteilen lassen. In der Zeit nach der Geburt braucht die gebärende Person Erholung. Stillen oder andere Formen der Ernährung können ebenfalls beeinflussen, wer bestimmte Tätigkeiten zu welchen Zeiten übernimmt. Das spricht dafür, andere Aufgaben bewusst zu verteilen, statt davon auszugehen, dass sich die zusätzliche Arbeit von selbst ausgleicht.

Aufgabenteilung im Alltag prüfen

Der Plan vor der Geburt muss sich im Alltag bewähren und bei Bedarf ändern. Schlaf, Erholung, Arbeitszeiten und der Betreuungsbedarf verändern sich. Vereinbaren Sie daher, wann Sie die Aufteilung wieder besprechen, etwa nach den ersten Wochen oder wenn eine Person in den Beruf zurückkehrt. Ein regelmäßiges kurzes Gespräch kann helfen; eine wissenschaftlich belegte ideale Häufigkeit dafür gibt es nicht.

Besprechen Sie konkrete Beobachtungen statt allgemeiner Vorwürfe. Zum Beispiel: „Ich habe diese Woche die Einkäufe geplant und erledigt. Kannst du sie ab jetzt vollständig übernehmen?“ So wird klar, welche Arbeit gemeint ist und welche Veränderung gewünscht wird. Zählen Sie nicht nur die Aufgaben. Berücksichtigen Sie auch, wie viele Stunden jede Person arbeitet und das Baby betreut, wie viel Planungsarbeit sie übernimmt und wie viel freie Zeit ihr bleibt.

Wenn sich eine Lösung im Alltag nicht bewährt, ändern Sie sie. Vielleicht passen Aufgaben nicht zu den Arbeitszeiten, oder eine Person übernimmt zu viele unvorhersehbare Unterbrechungen. Freunde und Verwandte können in der ersten Zeit ebenfalls bei Besorgungen, Essen oder Betreuung helfen, sofern beide Eltern das möchten. Manche Aufgaben dürfen außerdem vorübergehend zurückstehen.

Familienberatung bei Streit um Aufgaben

Eine Absprache macht Aufgaben sichtbar, löst aber nicht alle Belastungen. Einkommen, berufliche Möglichkeiten und verfügbare Kinderbetreuung beeinflussen, welche Verteilung machbar ist. Wenn eine Person dauerhaft überlastet ist oder Gespräche immer wieder in Streit münden, kann ein Gespräch mit einer Familienberatungsstelle helfen, die Aufgaben und Erwartungen gemeinsam zu sortieren.

Kommentare sind geschlossen.