Hinter einem Profil beim Online-Dating kann eine Person mit falscher Identität stehen. Dahinter kann auch ein Betrüger stecken, der Gefühle vortäuscht, um Geld zu bekommen, oder ein bezahlter Chat-Operator, also jemand, der gegen Bezahlung mit dir chattet. Prüfe Angaben und Verhalten sorgfältig.
Ein auffälliges Foto oder eine abgesagte Verabredung beweist für sich allein keinen Betrug. Achte auf mehrere Warnsignale. Dazu gehören widersprüchliche Geschichten und Ausweichmanöver. Auch Druck ist ein Warnsignal. Beende den Kontakt, wenn jemand Geld verlangt. Das gilt auch bei Forderungen nach Ausweiskopien oder intimen Bildern.
Fotos richtig prüfen
Sieh genauer hin, wenn Fotos sehr professionell wirken. Das gilt auch für stark bearbeitete Bilder und Fotos, die sich innerhalb einer Serie ähneln. Sie beweisen für sich genommen nichts: Auch echte Menschen nutzen professionelle Fotos. KI-Bilder erschweren die Einschätzung zusätzlich, denn künstlich erzeugte Gesichter sind nicht immer an sichtbaren Fehlern zu erkennen.
Suche nach dem Profilbild und weiteren öffentlich geteilten Fotos mit einer Rückwärtssuche. Dabei suchst du im Internet mit dem Foto statt mit Suchwörtern. Taucht dasselbe Bild unter einem anderen Namen oder in einem unpassenden Zusammenhang auf, frage nach oder brich den Kontakt ab. Wird nichts gefunden, ist das keine Bestätigung: Das Bild kann neu, wenig verbreitet oder verändert sein.
Ein Videochat kann helfen, einen Eindruck von der Person zu bekommen. Er ersetzt jedoch keine Prüfung der Angaben und ist keine Garantie für die Echtheit des Kontakts. Auch ein Verifizierungsabzeichen hat Grenzen. Tinder weist zum Beispiel darauf hin, dass seine Foto-Verifizierung nicht bestätigt, ob alle Angaben im Profil stimmen. Prüfe deshalb, was das jeweilige Portal tatsächlich mit einem Abzeichen bestätigt.
Angaben im Zusammenhang prüfen
Vergleiche Wohnort und Beruf mit dem geschilderten Alltag. Auch die Reisepläne sollten zu diesen Angaben passen. Ändert sich eine wichtige Angabe, frag ruhig und konkret nach. Eine einzelne Unstimmigkeit kann ein Missverständnis sein; wiederholte Widersprüche oder wechselnde Erklärungen für abgesagte Treffen geben deutlich mehr Anlass zur Vorsicht.
Auch das Verhalten zählt. Wer sehr schnell von Liebe, gemeinsamer Zukunft oder einem Zusammenzug spricht, aber persönliche Treffen immer wieder mit dramatischen Gründen verhindert, setzt möglicherweise auf emotionalen Druck. Dasselbe gilt, wenn die Person dich drängt, sofort zu einem anderen Messenger zu wechseln, oder dich von Freundinnen, Freunden und Familie fernhalten will. Ein einzelnes Ausweichmanöver beweist nichts, aber ein Muster sollte dich innehalten lassen.
Sprache und Grammatik sind kein verlässlicher Echtheitstest. Betrüger können flüssig Deutsch schreiben, und echte Menschen machen Fehler oder verwenden ungewöhnliche Formulierungen. Sprich mit einer vertrauten Person über auffällige Veränderungen, bevor du dich auf Forderungen oder weitreichende Versprechen einlässt.
Geld und persönliche Daten schützen
Geldforderungen sind ein klares Stoppsignal. Typische Geschichten drehen sich um ein Flugticket, eine medizinische Notlage, ein Visum oder eine angebliche Gebühr. Sende auch keine Gutscheincodes oder Kryptowährung und überweise kein Geld für eine Person, die du nur online kennst. Nimm keine Überweisungen oder Pakete für sie an und leite sie nicht weiter.
Gib weder Ausweiskopien noch Kontodaten weiter. Halte auch private Zugangsdaten geheim. Auch intime Bilder und Videos können später zur Erpressung eingesetzt werden. Gib persönliche Angaben wie deine genaue Anschrift oder deinen Arbeitgeber nur zurückhaltend preis. Wenn jemand dich unter Zeitdruck setzt oder auf Geheimhaltung besteht, beende das Gespräch und hole dir Rat.
Prüfe außerdem die Nutzungsbedingungen des Dating-Portals. Wörter wie „Animateur“, „Moderator“ oder „moderierter Dienst“ können darauf hindeuten, dass das Portal Profile betreut oder erfundene Profile nutzt. Lies nach, ob das Portal solche Profile einsetzt und wie es sie kennzeichnet. Ein bezahlter Chat-Operator ist ein anderer Fall als ein Betrüger, der Geld oder persönliche Daten erschleichen will.
Treffen sicher planen
Wenn du dich mit jemandem triffst, wähle einen belebten, vertrauten Ort und organisiere deine An- und Abreise selbst. Sag einer Vertrauensperson, wo und wann ihr euch trefft. Lass dich nicht zu einem abgelegenen Ort oder einer spontanen Änderung des Plans drängen.
Ein Treffen ist kein Muss, wenn du dich unwohl fühlst. Besteht die andere Person wiederholt auf Ausreden, lehnt jedes persönliche Treffen ab und fordert zugleich Geld oder sensible Daten, beende den Kontakt.
Bei Verdacht schnell handeln
Sichere Nachrichten, Profilangaben und Zahlungsinformationen, bevor du das Profil meldest oder blockierst. Melde den Kontakt beim Dating-Portal. Wenn du Geld überwiesen hast, wende dich sofort an deine Bank oder den Zahlungsdienstleister. Erstatte bei Betrugsverdacht Anzeige bei der Polizei. Auch nach einer Zahlung solltest du dich nicht schämen, Hilfe zu holen.
